Verfahrensbeistand

nach dem Werdenfelser Weg

Als zertifizierte Verfahrensbeiständin setze ich mich nach einer richterlichen Bestellung durch ein Familiengericht für den betroffenen jungen Menschen in einer Familiensache ein. Neben den bekannten Familiensachen, wie z.B. der elterlichen Sorge, Umgangsregelungen, Kindeswohlgefährdungen, bin ich zusätzlich auf freiheitsentziehende Maßnahmen (§1631b Absatz 1 und §1631b Absatz 2 BGB) für psychisch erkrankte Kinder und Jugendliche, junge Menschen mit geistigen und körperlichen Beeinträchtigungen und schwerstkranke und sterbende Kinder und Jugendliche spezialisiert und nehme deren Rechte wahr.

Freiheitsentziehende Maßnahmen können sein: Hochstellen von Bettseitenteilen an Pflegebetten, Gurtfixierungen / Klettverschlüsse in Rollstühlen und Pflegesesseln vom Becken, Oberkörper, Beinen, Therapietisch am Rollstuhl, Fixierungen im Pflegebett des Beckens, des Oberkörpers, der Oberschenkel, der Beine und der Arme durch Gurtsysteme wie Segufix, Zimmereinschlüsse, geschlossene Unterbringung, medikamentöse Sedierung, Zwangsmedikation u.a. . Im Vordergrund steht immer die Suche nach milderen Maßnahmen zu körpernahen Fixierungen, Einschlüssen, geschlossenen Unterbringungen und medikamentöser Sedierung. Freiheitsentziehende Maßnahmen aufgrund von Überforderung der Sorgeberechtigten oder wegen Mitarbeitermangel in Pflegeeinrichtungen sind unzulässig!

In allen Familiensachen geht es um die Würde und das Wohlergehen jedes einzelnen Kindes / Jugendlichen!

Bei Besuchen des betroffenen Kindes / Jugendlichen in seinem persönlichen Lebensumfeld und Gesprächen mit den Sorgeberechtigten, sowie weiteren am Verfahren Beteiligten (z.B. Jugendamt, Kinderarzt, Facharzt, Kinderklinik, Kinder-und Jugendpsychiatrie, Psychologe/in, Psychotherapeut/in, Kinder- und Jugendhospiz, Kindergarten, Schule, Wohngruppe), stehen bei allen Verfahren dessen Wünsche (Kindeswille), dessen Wohlergehen (Kindeswohl) und seine individuelle Lebenssituation im Mittelpunkt. Der Kindeswille kann in machen Fällen auch durch suggestive Einflüsse eines Elternteils erheblich beeinträchtigt worden sein. Diese besondere Art des psychischen Missbrauchs gilt es ggf. mit Hilfe von weiteren Professionen aufzudecken und therapeutisch zu bearbeiten.

Die persönlichen Gespräche und Begegnungen mit dem jungen Menschen finden auf Augenhöhe in einer möglichst entspannten Atmosphäre, auch ohne die Sorgeberechtigten, statt. Das Kind / der Jugendliche wird in seiner speziellen Situation ernst genommen und erhält die Möglichkeit sich frei und ohne Hemmungen einer neutralen Person (Verfahrensbeistand) zu öffnen, die seine Rechte im aktuellen Verfahren wahrnimmt und vertritt.

Als Verfahrensbeiständin mache ich mir zu der gegebenen Situation ein neutrales Bild, nehme Ängste, Sorgen und Probleme, Auffälligkeiten des betroffenen Kindes / Jugendlichen wahr und spreche mit den Sorgeberechtigten u. ggf. je nach Bestellung auch mit weiteren Beteiligten. Ebenso begleite ich den jungen Menschen bei Gerichtsterminen und bereite ihn auf eine richterliche Anhörung vor. Die Anhörung des Kindes / Jugendlichen ist ein zentraler Punkt im gerichtlichen Verfahren. Durch die Anhörung werden dessen Rechte gestärkt. Die Anhörung des jungen Menschen findet immer in Anwesenheit des Verfahrensbeistandes statt. Die Anhörung wird altersentsprechend gestaltet.

Die Verfahrensbeistandschaft endet, sobald der richterliche Beschluss wirksam wird.